Mein erster Backyard Ultra
Zwölf Stunden, zwölf Runden, 78,5 Kilometer: wie ich mich auf meinen ersten Backyard Ultra vorbereitet hab, meine Strategie, meine Packliste und was ich beim nächsten Mal anders mache.
In meinem ersten Post hab ich ihn schon kurz erwähnt: meinen ersten Backyard Ultra. Zwölf Stunden, zwölf Runden, 78,5 Kilometer, 1.338 Höhenmeter. Dazu wollte ich einfach mal ein paar Insights raushauen, weil ich, bevor ich meinen ersten gelaufen bin, ganz verrückt auf der Suche nach solchen Infos war. Deshalb geht's heute um die Themen, die mich selbst vor meinem ersten Backyard interessiert haben: wie man sich vielleicht vorbereiten kann, mit welcher Strategie man reingehen könnte und was man alles so mit zum Rennen schleppen sollte.
Was ist überhaupt ein Backyard Ultra?
Das Prinzip ist ganz einfach und gleichzeitig komplett absurd: Jede volle Stunde startet eine Runde über 6,7 Kilometer. Wer nicht rechtzeitig zurück ist oder zum Start der nächsten Runde nicht an der Linie steht, ist raus. Das geht so lange, bis nur noch einer übrig ist. Die Zeit, die man in einer Runde schneller ist, ist die Pause bis zum nächsten Start. Mehr nicht.
Ich bin beim One More Loop Ultra in Wertheim gestartet, am 5. September um 14 Uhr. Diesen Lauf gab es dort so zum ersten Mal, weshalb er auch auf maximal 24 Stunden ausgelegt war. Bei den meisten anderen Läufen ist das nicht so, aber beim One More Loop hat das für alle Läufer weit gereicht.

Die Vorbereitung: eher spontan
Angemeldet hab ich mich im Sommer in einem Café in Vietnam. Wie viele andere war ich vom Last Soul Ultra (LSU) 2026 völlig begeistert und wollte unbedingt auch mal so eine Erfahrung machen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass in Wertheim einer stattfinden wird, war mir aber mit der Anmeldung noch nicht ganz sicher. Dann nach den unglaublichen Leistungen beim LSU hat es mich einfach gepackt und ich hab mich spontan etwa vier Wochen davor angemeldet. Ab da bin ich, wie ich es damals auf Strava genannt hab, „in eine spontane Ultra-Prep gerutscht“. Viel Zeit war allerdings nicht: Zurück in Deutschland hab ich mir eine Übungsrunde gesucht, die ungefähr so lang ist wie ein Yard, und bin die dann immer wieder gelaufen. Manchmal zweimal am Tag, manchmal zweimal hintereinander, einfach um mich an die gewisse Monotonie zu gewöhnen.
Zehn Tage vor dem Rennen stand dann meine Backyard-Simulation an: mehrere Runden zur vollen Stunde, genau wie im Rennen. Geplant war deutlich mehr, nach 25 Kilometern war aber Schluss. Und zwar nicht wegen der Beine, sondern wegen dem Magen. Ich hab in den Tagen davor einfach nicht konsequent sauber gegessen, und das hat mir die Simulation vorzeitig beendet.
Danach war ich unglaublich frustriert, weil ich mich richtig darauf gefreut hatte, das mal auszuprobieren. Logischerweise war ich nach der humbling Experience nicht ohne Zweifel. Das Learning war aber da und genau das ist das wichtigste an so einer Simulation. Vor dem eigentlichen Backyard hab ich extrem auf meine Ernährung geachtet und nur noch clean gegessen.
Meine Strategie
Beim Backyard gewinnt nicht der Schnellste, sondern der, der am längsten durchhält. Deswegen war mein Plan: jede Runde in ungefähr 50 Minuten, und die restlichen 10 Minuten konsequent für Trinken, Essen und Erholung nutzen. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass auch das nicht ganz so gelaufen ist wie geplant. Insgesamt war ich eigentlich immer schneller, meistens zwischen 44 und 46 Minuten und ich glaube, dass mit langsameren Rundenzeiten vielleicht noch mehr gegangen wäre.
Bergauf bin ich, wie die meisten anderen Ultraläufer, gegangen. Bei den zwei steilen Anstiegen war Laufen ehrlich gesagt eh kaum möglich, und genau da spart man die Körner für später.
Die zwölf Stunden
Am Anfang war es richtig heiß, fast 30 Grad und Sonne. Ich hatte an dem Tag auch noch Kopfschmerzen, deswegen hat mir meine Crew nach jeder Runde kaltes Wasser gegeben: zum Trinken und direkt in den Nacken. In den ersten Runden hab ich mich in den Pausen einfach auf meine Liege gesetzt, bisschen gechillt, runtergekommen und Kleinigkeiten gegessen und Spaß mit meiner Crew gehabt.

Es war ein eher kleines Event. Die Strecke ging nicht durch die Stadt, sondern durchs Gelände außerhalb vom Ort, an der Strecke war also kaum was los. Trotzdem waren viele Läufer am Start, weil es neben dem Solo-Feld auch ein Duo-Format gab, bei dem sich zwei Leute abwechseln. Das hatte einen witzigen Effekt: Weil die Duos ständig neue Läufer auf die Strecke geschickt haben, hatte man nie das Gefühl, dass irgendwer rausfliegt. Man hat sich immer gefragt: Okay, ist überhaupt schon jemand raus?
Ab ungefähr 20 Uhr wurde es dunkel und dann auch zügig kalt. Mit Stirnlampe war ich davor noch nie wirklich gelaufen. Auf den meisten Abschnitten hat man durch den Mond und weil man die Strecke inzwischen kannte noch genug gesehen. Auf dem kleinen Trail bergab mit Wurzeln, der nachts dann auch noch nass wurde, war die Stirnlampe aber Gold wert.
Ab Runde 6 oder 7 hab ich mich in den Pausen dann richtig hingelegt, und meine Crew hat das volle Programm abgezogen: Beine ausschütteln, mit der Massagepistole durchmassieren und mit wärmendem Öl einreiben. Mit einer Crew, die weiß, was in den Pausen gemacht werden soll, seid ihr ganz weit vorne. Deswegen ist es wichtig, die Leute, die euch helfen, ein bisschen zu briefen, wenn sie es noch nie gemacht haben, um die Verantwortung für alles außer dem Laufen auszulagern.
Essen? Eher schwierig
Feste Nahrung hab ich während des Rennens ganz schlecht vertragen, keine Ahnung, was da los war. Ich hab deswegen insgesamt eindeutig zu wenig gegessen. Gerettet hat mich mein Kohlenhydratmix von Nrgy: In jeder Runde hatte ich eine 500-ml-Flask dabei, den hab ich super vertragen. Dazu kamen Weintrauben, Salzstangen und trockener Toast.
Der Tiefpunkt und die falsche Entscheidung
In Runde 7 und 8 kamen die ersten richtig brutalen Schmerzen in der rechten Seite. Ich dachte echt, ich kann nicht mehr. Trotzdem bin ich weitergelaufen, noch drei Runden. In Runde 11 kamen die Schmerzen dann wieder zurück, und da hab ich mir gesagt: Ich mach noch genau eine Runde, die zwölfte, dann ist Schluss. Das hat sich angeboten, weil jeder Solo-Läufer nach 12 Stunden die offizielle Medaille bekommen hat. Man hat sich also in den schweren Momenten nur daran geklammert und sobald es dann erreicht war, losgelassen.
Die zwölfte Runde hat brutal wehgetan, war mit 53 Minuten meine langsamste, aber ich hab sie durchgezogen. Kurz vor zwei Uhr nachts war Schluss.
Und genau diese Entscheidung ist mein größtes Learning, und sie beschäftigt mich bis heute. Es wäre mehr drin gewesen. Das Problem: Wenn man so etwas noch nie gemacht hat, ist es echt schwer, sich ein gutes Ziel zu setzen. Nicht so überambitioniert, dass man enttäuscht wird und den Bezug zum Ziel verliert, aber auch nicht zu klein. Nach so vielen Kilometern will der Körper immer aufhören, außer man ist deutlich mehr gewohnt. Und genau dann hilft nur ein größeres Ziel im Kopf. Das ist ab jetzt mein Ansatz. Für die nächsten Events, und es wird für mich nächste geben, sind die Ziele nochmal deutlich höher gesteckt. Dazu aber in entfernter Zukunft mehr.
Meine Packliste
So würde ich heute für einen Backyard packen, mit allem, was sich bei mir bewährt hat, und ein paar Sachen, die ich beim nächsten Mal auf jeden Fall dabeihabe.
Die komplette Packliste zum Ausdrucken und Abhaken gibt's hier als PDF:
Was ich beim nächsten Mal anders mache
- Ein größeres Ziel: nicht die erste Medaille, sondern deutlich mehr. Aufhören will ich erst, wenn wirklich nichts mehr geht. Immer von Runde zu Runde denken.
- Richtige Vorbereitung: viel mehr Wochen backyard-spezifisch, mit Back-to-Back-Läufen am Wochenende und mehreren Yard-Simulationen.
- Ernährung: schon in den Tagen davor sauber essen und im Training üben, unterwegs genug Kohlenhydrate aufzunehmen.
- Nachts trainieren: ein paar Läufe im Dunkeln und mit Stirnlampe, damit die Nacht kein Schock ist.
Für euch
Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, euren ersten Backyard zu laufen: Macht es. Lauft lieber zu langsam als zu schnell, geht die Anstiege, nutzt jede Pause und habt eine Crew dabei, die euch kennt. Und setzt euch ein großes Ziel. Manchmal geht mehr, als man denkt.
Max