Bottwartal-Halbmarathon 2026
Zu schnell gestartet, ab Kilometer 6 macht die rechte Seite zu und am Ende Platz 1 in der U20: mein Rennbericht vom Bottwartal-Halbmarathon.
Vor einem Jahr bin ich hier im Bottwartal meinen ersten Halbmarathon gelaufen, damals ohne „wirkliche“ Vorbereitung, irgendwie in 1:36 h. Am Sonntag durfte ich mich also, genau ein Jahr später, wieder über die altbekannten 21,1 Kilometer quälen. Diesmal mit deutlich mehr Training und einem einigermaßen konkreten Ziel in meinem Kopf.
Die Sache mit Zielen ist so: Klar, sie sind wichtig, und man hat etwas, dem man nachjagen kann, aber es kommt auch immer ein gewisser Druck mit ihnen. Als ich am Sonntag an der Startlinie stand, wusste ich genau: Ich will irgendwie die 1:30 h packen. Aber um ganz ehrlich zu sein, wenn einem Garmin, Strava und die KI eine Zielzeit von ungefähr 1:32 h bis 1:34 h vorhersagen, wird man dann doch schon etwas nervös, und das meistens völlig unnötig.
Ich bin froh, dass ich mein Ziel von 1:30 h sogar noch übertreffen konnte.
1:26:51. Platz 53 von 1.112 Männern und Platz 1 in der Altersklasse U20.
Klingt ja fast, wie wenn alles perfekt gelaufen wäre, ist es aber leider nicht. Es war eins der härtesten Rennen, die ich bisher gelaufen bin. Wie es dazu kam, kommt gleich.
Erst mal die Fakten:
- Offizielle Zeit: 1:26:51
- Ø Pace: 4:06 min/km
- Ø Puls: 178, maximal 188
- Platzierung: 53. von 1.112 Männern, 1. in der AK U20
- Vorjahr: 1:36, also rund 9 Minuten schneller
- Wetter: 10 Grad und Nieselregen
Der Start: viel zu schnell
Der Plan war, auf 1:30 anzulaufen. Das ging schief. Ich bin viel zu schnell losgelaufen, weil es sich einfach, wie meistens, richtig gut angefühlt hat und ich unbedingt vorne im Feld mitlaufen wollte. Die Kilometer 3 bis 5 lagen alle unter 3:55. Kleine Randnotiz: Ein paar Kilometer später rächen sich diese 20 Sekunden pro Kilometer.
Kilometer 6 bis 10: Die rechte Seite macht zu
Ab Kilometer 6 hab ich gemerkt, dass meine rechte Wade zieht und langsam zumacht. Bei Kilometer 10 kam dann noch ein Anstieg dazu, und da ging die komplette rechte Seite zu: hinterer Oberschenkel, Knie, Wade, alles. Ich hatte echt Angst, dass jetzt gleich der Moment kommt, wo gar nichts mehr geht.
Das sieht man auch an meinen Splits: Bis Kilometer 10 wurden die Kilometer bis auf 4:16 langsamer. Glücklicherweise hat sich der Schmerz nach etwas Wasser und einem Gel mit Natrium ein bisschen gebessert.
Genau in solchen Momenten wird mir immer bewusst, wieso ich so gerne Wettkämpfe laufe. Egal wie anstrengend oder schmerzhaft manche Kilometer sind, es lohnt sich immer für den Moment im Ziel. Genau dafür pusht man sich das ganze Rennen über bis an sein Limit und schafft es so, das Maximale rauszuholen.
Ab der Hälfte: Durchbeißen

Ab Kilometer 11 hab ich mir ein, zwei Läufer gesucht und bin ungefähr 50 Meter hinter ihnen hergelaufen. Ab da ging es nur noch darum, irgendwie durchzuhalten. Ich hab mich über jede neue Kilometermarkierung gefreut und nur noch ausgerechnet, wie viele Kilometer ich noch vor mir hatte.
Trotzdem lagen meine Kilometer von 11 bis 20 ziemlich konstant zwischen 4:02 und 4:12. Der letzte Kilometer ist immer etwas Besonderes. Egal wie kaputt man ist, sobald man das Gefühl hat, man hat es geschafft, löst sich etwas im Kopf. Dann kann man halt auch nochmal den letzten Kilometer mit einer 4:00 laufen, obwohl man eigentlich völlig am Ende ist.
Im Ziel
Im Ziel war ich einfach nur glücklich. Glücklich, dass es vorbei war, und glücklich, dass es doch so schnell war. Es ist immer toll, wenn man jemanden hat, der im Ziel oder an der Strecke auf einen wartet. Diesen letzten Push, vielleicht nochmal Tempo draufzulegen oder einen Schlusssprint zu machen, ermöglicht einem kein Gel der Welt.
Allgemein war die Stimmung echt mega. Obwohl man auf manchen Teilen der Strecke wirklich keine Zuschauer hat, motivieren die Hotspots in den Ortsmitten immer enorm. In Gronau läuft man sogar zweimal durch, und im Ziel in Steinheim ist sowieso immer die Hölle los.
Wie hat das Setup funktioniert?
In meinem Race-Setup hab ich euch gezeigt, was ich am Sonntag dabeihabe. Hier der ehrliche Check:
- Vaporfly 4: Top. Für genau solche Rennen pushen die einfach richtig.
- Singlet: Bei 10 Grad und Nieselregen war ich einer der wenigen im Singlet. Für mich hat es komplett gepasst, beim Laufen wird mir sowieso warm.
- Gels: Am Ende hab ich alle vier genommen, die ich dabeihatte: am Start, bei Kilometer 7, 13 und 18. Das hat nicht nur den Beinen, sondern auch dem Kopf echt geholfen.
- Salzkapseln: Hatte ich gar nicht dabei. Und genau das war der Fehler. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir Elektrolyte gefehlt haben und meine rechte Seite deswegen so früh zugemacht hat.
Was ich mitnehme
Die 1:30 hab ich ehrlich gesagt einfach so als Rennziel gesetzt. Nächstes Mal will ich schon in der Vorbereitung einen härteren Test machen, zum Beispiel 10 Kilometer an der Schwelle. Dann weiß ich vorher, welches Tempo wirklich drin ist, und kann gezielter anlaufen. Lieber kontrolliert starten und hinten raus schneller werden als vorne zu überziehen und den Rest irgendwie halten zu müssen. Das war diesmal echt eine harte Geschichte.
Und für euch: Wenn ihr ein Ziel anlauft, testet vorher, was wirklich drin ist, und vergesst eure Salzkapseln nicht. Und wenn es im Rennen wehtut, beißt euch durch. Am Ende lohnt es sich.
Wie geht es weiter?
Als Nächstes steht der Silvesterlauf in Bietigheim über 10 Kilometer an, davor vielleicht noch ein kleinerer 10er. Diese Woche wird erst mal regeneriert, dann geht die Vorbereitung los.
Danke an alle, die an der Strecke standen, und an euch fürs Mitlesen. Wenn ihr den Silvesterlauf nicht verpassen wollt, tragt euch für den Newsletter ein.
Max