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# Gleiche Startlinie, ein Jahr später
- URL: https://max-effort-running.ghost.io/gleiche-startlinie-ein-jahr-spater/
- Published: 2026-10-16T10:16:48.000Z
- Updated: 2026-10-28T16:24:33.000Z
- Description: Warum ich diesen Blog starte – und warum ich am Sonntag genau da stehe, wo alles angefangen hat.
- Author: Maximilian Süß
- Tags: Rennberichte

Am Sonntag um 11 Uhr stehe ich in Gronau an der Startlinie des Bottwartal-Halbmarathons. Vor einem Jahr stand ich schon mal da. Damals war es mein erster Halbmarathon überhaupt, mehr oder weniger spontan, weil mein Sportlehrer mich motiviert hat. Meine gesamte Vorbereitung: ein lockerer 16-Kilometer-Lauf mit einem Kumpel im 5:30er-Schnitt.

Ins Ziel kam ich irgendwie nach 1:36, ich weiß bis heute noch nicht, wie.

Für einen ersten Halbmarathon ohne richtige Vorbereitung war das echt nicht schlecht. Und ab da hat es mich gepackt.

## Vom Fußball zum Laufen 

Eigentlich komme ich vom Fußball. Ich habe meine ganze Kindheit und Jugend Fußball gezockt und jede einzelne Saison geliebt. Von der U17 bis zum Ende der U19 habe ich beim SV Schluchtern Landesliga gespielt. Dort gehörte das regelmäßige Laufen dann einfach irgendwie dazu, mindestens in der Vorbereitung. Dort waren wir zweimal die Woche unterwegs, und ich habe schnell gemerkt: Das funktioniert bei mir. Ich war nie der Schnellste auf dem Platz und auch nicht der Athletischste, aber laufen konnte ich. Auch deswegen habe ich mich damals für den Halbmarathon angemeldet.

Ein paar Wochen nach dem Halbmarathon kam der Silvesterlauf in Bietigheim: 10 Kilometer in 38:56, Platz drei in meiner Altersklasse bei über 3.000 Leuten. Da dachte ich zum ersten Mal: Vielleicht wird aus dem Ganzen doch noch was Leistungsorientiertes.

Ich würde behaupten, ich war immer ein passabler Kicker, also je nachdem, wen man fragt, aber niemals auf einem Top-Niveau. Im Ausdauersport habe ich dann meine Möglichkeit gesehen, herauszufinden, was vielleicht noch in mir steckt. Seit Bietigheim trainiere ich mit Plan, mit Daten, mit Herzfrequenz und allem, was dazugehört.

Der Fußball fehlt mir, keine Frage. Aber Laufen hat etwas, das ich im Teamsport nie hatte: Es liegt nur an mir. Im Fußball kann man richtig gut spielen und trotzdem verlieren. Beim Laufen gilt: Wenn ich die Vorbereitung nicht ernst nehme, ist das mein Problem. Wenn ich alles durchziehe, ist die Chance groß, dass es so läuft, wie man es sich vorstellt.

## Kilometer 30, allein in der Hitze

Im Mai bin ich meinen ersten Marathon gelaufen, in 3:28\. Ich war gut vorbereitet: drei Tage Carb-Loading, Gels, alles, was man halt so braucht. Den berühmten Einbruch bei Kilometer 30 hatte ich nicht.

Leicht war es trotzdem nicht. Ab Kilometer 30 wurde es unglaublich anstrengend, vor allem im Kopf. Die Beine haben noch einigermaßen mitgemacht, aber mir tat alles weh, es war heiß, und genau in dem Abschnitt war ich allein auf der Strecke, kein Zuschauer weit und breit. Ich habe richtig gelitten und genau dafür mache ich den Sport. Diese Momente allein auf der Strecke, ohne Zuschauer, ohne andere Läufer, zeigen einem, was doch noch so in einem steckt und wie weit man seinen Körper noch pushen kann. Der Zieleinlauf macht dann alles wieder gut und man fühlt sich einfach unglaublich.

## Zwölf Stunden im Kreis

Die verrückteste Erfahrung bisher war mein erster Backyard Ultra. Für alle, die das Format nicht kennen: Jede Stunde startet eine neue 6,7-Kilometer-Runde, und wer es nicht rechtzeitig zurück an den Start schafft, ist raus. Das geht so lange weiter, bis nur noch einer übrig ist. Bei meinem ersten war es zwar auf 24h begrenzt, aber glaubt mir, das reicht euch und euren Beinen auch erstmal.

Angemeldet habe ich mich ziemlich spontan, in einem Café in Vietnam, während meiner vier Wochen Urlaub nach dem Abi. Ich hab, wie gefühlt ganz Deutschland, den Last Soul Ultra geschaut und war so inspiriert von den Athleten, insbesondere vom Ello, dass ich wusste: Ich will so was auch mal probieren. Über einen Kumpel bin ich dann auf den One More Loop Ultra in Wertheim gestoßen.

Die Veranstaltung war richtig geil, und ich hatte die beste Crew, die man sich wünschen kann: meine Freundin, meine Schwester und meine Kumpels. Nach zwölf Runden habe ich aufgehört, mit 78,5 Kilometern und rund 1.400 Höhenmetern in den Beinen. Nach zwölf Stunden gab es die erste Medaille, und das war mein Ziel.

Heute muss ich ehrlich sagen: Da wäre mehr gegangen. Es lag nicht an den Höhenmetern, es lag am Kopf. Das nehme ich mit. Beim nächsten Backyard will ich alles rausholen, was in mir steckt, und am besten gewinnen. Mein großes Ziel ist es, mich irgendwie für den Last Soul Ultra zu qualifizieren, um mit den besten Athleten der Welt an einer Startlinie zu stehen.

## Zwischen Hörsaal und Bib

Seit ein paar Wochen wohne ich in München und studiere Jura an der LMU. München ist eine richtig geile Stadt, und die Uni bietet unglaublich viele Möglichkeiten. Diese Woche war die erste richtige Studienwoche, so wie es die nächsten Jahre wohl aussehen wird: vor sechs aufstehen, im Dunkeln und in der Kälte laufen, dann Uni, Bibliothek und dann noch ins Gym.

## Warum dieser Blog?

Ich will diesen Blog schon ewig starten. Ehrlich gesagt war ich mir lange unsicher, ob ich der Typ dafür bin. Jetzt probiere ich es einfach mal.

Als ich angefangen habe, habe ich ständig im Internet gesucht: Was sagen andere zu diesem Schuh? Zu dieser Uhr? Wie bereiten die sich auf Wettkämpfe vor? Welche Wettkämpfe gibt es überhaupt? Genau das will ich hier teilen: Rennberichte, Training, Ernährung, Equipment, und wie das alles neben dem Studium funktioniert. Ehrlich, mit echten Erfahrungen und ganz direkt.

Ich bin auf keinen Fall ausgelernt. Wenn ihr Tipps habt, gerade mit dem Laufen anfangt oder einfach Lust auf Austausch habt: Meldet euch. Darauf freue ich mich am meisten.

## Und jetzt: Sonntag

Ich fühle mich richtig gut. Mittwoch war die letzte harte Einheit, morgen kommt noch ein kurzer Shakeout-Run, dann bin ich bereit.

Die Vorbereitung war allerdings nicht ideal. Nach dem Backyard habe ich eine Woche pausiert, danach blieben nur sechs Wochen. Eine halbe Woche war ich krank, dazu kamen der Umzug und der Uni-Start. Nach dem Marathon hatte ich im Urlaub außerdem eine Phase, in der die Motivation nicht ganz da war. Ausreden sind das nicht, das ist einfach das Leben.

Die 1:30 sind deshalb alles andere als sicher. Ich laufe sie trotzdem an, weil ich weiß, dass ich meinen Körper pushen kann, wenn es darauf ankommt. Das ist auch das Erste, was ich teilen will. Setzt euch Ziele, die von außen vielleicht übertrieben oder zu ambitioniert wirken, aber nur ihr wisst, was ihr euch vornehmen könnt. Selbst wenn es dann nicht klappen sollte, seht es nicht als Fehlschlag oder Enttäuschung.

Nehmt das Learning mit und macht weiter.

## Max Effort

Der Name dieses Blogs ist mehr als ein Wortspiel mit meinem Namen. Max Effort heißt für mich: alles rausholen, was geht. Ich will wissen, wo meine Grenze liegt, durch harte Arbeit und vielleicht auch dadurch, dass ich mich hier selbst ein bisschen unter Druck setze.

Mich interessiert einfach, was geht.

Der Rennbericht vom Sonntag kommt bald. Wenn ihr ihn nicht verpassen wollt, tragt euch unten für den Newsletter ein.

*Max*